Sixt ohne guten Riecher für Stil

Sixt_VolkerBeck

Autoverleiher Sixt liebt es, mit seiner Werbung zu polarisieren. Das gibt Shares, Klicks, Likes, PR – also ganz viel Aufmerksamkeit für die Marke. Oft ist das witzig. Das aktuelle Motiv zur Drogenaffaire des Grünen-Politikers Volker Beck ist in vielerlei Hinsicht schlechter Stil.

Beliebte Opfer der ironischen Sixt-Anzeigenmotive sind Politiker. Manche von ihnen qualifizieren sich durch ihre Persönlichkeit oder äußerliche Merkmale als unfreiwilliges Sixt-Testimonial (Angela Merkel, Ursula von der Leyen). Andere durch einen Skandal oder ein Skandälchen (Ulla Schmidt, Gerhard Schröder, Peer Steinbrück).

Politiker eignen sich deshalb so prima, weil sie a) allseits bekannt, aber b) selten allseits beliebt sind und sich c) in der Regel nicht gegen Satire und Spott wehren. Für die Zielgruppe mag es auch eine kathartische Funktion haben, wenn „die da oben“ für ihre Taten werbewirksam an den Pranger gestellt werden – vor allem, wenn es ein lustiger Pranger ist.

Die Schnelligkeit, mit der das Unternehmen auf Ereignisse und Verfehlungen reagiert, ist beeindruckend, kann aber manchmal auch zu eigenen Fehltritten führen.

So geschehen jetzt beim Grünen Politiker Volker Beck, der vor einigen Tagen mit 0,6 g eines illegalen Rauschmittels erwischt worden war. Die BILD-Zeitung behauptete zu wissen, woher auch immer, dass es sich dabei um Crystal Meth handelte. Das kann man unter anderem schnupfen.

Die investigativen Sixt-Marketer wissen aber noch mehr als BILD und Staatsanwaltschaft, nämlich, dass Beck diese Droge regelmäßig konsumiert. Und raten ihm auf dem aktuellen Anzeigenmotiv: „Gönnen Sie sich zur Abwechslung mal eine Nase frischen Wind. (In einem günstigen Cabrio von Sixt)“ Diese Vorverurteilung ist schon starker Schnupftobak. Ob und wie Beck in seiner Freizeit welche Droge einnimmt, ist noch gar nicht erwiesen.

Außerdem geht Sixt einen Schritt weiter als üblich. Mit Volker Beck haben sie ein Opfer gewählt, das bereits am Boden liegt. Auch in der Werbung sollte gelten, dass man hier nicht mehr nachtritt. Beck war direkt nach Bekanntwerden des Drogenfundes von allen Fraktionsämtern zurückgetreten und hat sich inzwischen krankschreiben lassen. Sollte sich zeigen, dass Beck tatsächlich das von Sixt unterstellte Suchtproblem hat, wäre die Werbung noch stilloser als ohnehin schon.

Sixt ist damit den eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Patriarch Erich Sixt höchstselbst hatte sich 2013 bei einem anderen Werbestar wider Willen, dem Justizopfer Gustl Mollath, mit einem Brief für ein geschmackloses Anzeigenmotiv entschuldigt und ließ der Öffentlichkeit damals in Sachen Sixt-Werbung mitteilen: „[…] Grundsatz ist dabei jedoch, dass die Betroffenen nicht in ihren persönlichen Gefühlen verletzt oder herabgewürdigt werden.“

   
   

Blogpost teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *